Der Engel Jonathan ist in himmlischer Mission auf der Erde unterwegs. Er soll die Gottlosen und Egoisten, die Kriminellen und Maßlosen auf den rechten Weg zurückführen. Unterstützt von seinem Erdenfreund Mark dringt er in die Herzen oder Körper der ausgewählten Kandidaten ein und sorgt durch subtile Hilfe für eine Linderung der individuellen Qual. Jonathan Smith ist von Beruf Engel. Er wird zur Bewährung vom Himmel zur Erde gesandt, um Menschen, die in Not geraten sind, zu helfen. Sein erster Auftrag führt ihn in ein abgelegenes Altersheim, in dem die Menschen ein ziemlich freudloses Dasein führen. Jonathan lässt sich als Gärtner anstellen, und es gelingt ihm sehr schnell, unter den Heimbewohnern wieder etwas Lebensfreude zu verbreiten. Leslie, die Sekretärin des Direktors, unterstützt Jonathan voller Enthusiasmus.
Einer der ersten Menschen, die durch die Entdeckung des Insulin gerettet wurden, war Elizabeth Hughes. Sie war 14 Jahre alt und Diabetikerin. Anfang der 1920er-Jahre war man nicht in der Lage diese tödlich verlaufende Krankheit zu heilen, wie Professor Dr. Heinz Schott, Leiter des Instituts für Medizingeschichte an der Universität Bonn erläuterte: "Im Grunde hat man nur diätetisch, also durch die Ernährung etwas erreichen können, aber es ist eine schlimme Sache, wenn man eine Krankheit praktisch mit Hungern bekämpfen soll. Und das war auch das Problem, im Endeffekt gab es vor der Verwendung von Insulin keine wirksame Therapie, kann man sagen."
Auch Elizabeth Hughes wurde einer strengen Hungerdiät unterworfen, um ihre Blutzuckerwerte niedrig zu halten und sie vor dem diabetischen Koma zu bewahren. Das Dilemma: Die Kranken fielen tatsächlich nicht mehr ins Koma, dafür verhungerten sie langsam. Elizabeth war im Sommer 1922 abgemagert zum Skelett und völlig geschwächt.
Die Entdeckung des Insulins
Als ihre Mutter erfuhr, in Kanada habe man ein neues Heilmittel entwickelt, wandte sie sich an einen der "Entdecker", Frederick Banting. Am 16. August begann Banting mit der Behandlung, Elizabeth erhielt sie die erste Injektion des neuen Heilmittels: Insulin.
Dr. Schott erklärte dazu: "Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, und man muss sich vorstellen, dass es ein Signalstoff ist, der in die Stoffwechselvorgänge eingreift und also vor allen Dingen den Blutzuckerspiegel senkt. Eben mit Hilfe der Entdeckung des Insulins und der Produktion von Insulin und der therapeutischen Gabe von Insulin konnte diese Krankheit dann erfolgreich bekämpft werden."
Und tatsächlich, in den folgenden Wochen gewann Elizabeth Hughes permanent an Kraft, wöchentlich nahm sie ein Kilo zu. Im Oktober bemerkte sie, dass sie gewachsen war, sie konnte wieder aufstehen, zur Schule gehen - für Elizabeth Hughes war die Entdeckung des Insulins wie ein Wunder.
Des Rätsels Lösung
Tatsächlich hatten Ärzte, die nach den Ursachen der Zuckerkrankheit forschten, schon länger vermutet, dass des Rätsels Lösung in der Bauchspeicheldrüse läge, wie auch Dr. Schott meinte: "Das war auch der Weg, wie man Insulin überhaupt entdeckte, man hat bereits 1889, damals haben zwei Forscher, Minkowski und Mehring, bei Hunden die Bauchspeicheldrüse entfernt und festgestellt, dass sie Diabetes bekamen. Sie haben dann schon ein endokrenes Sekret, also einen Stoff, in den Inselzellen vermutet."
Alle Versuche aber, diesen Stoff zu finden und zu isolieren, misslangen. Bis dann ein junger kanadischer Arzt, Frederick Banting, kam. Zusammen mit dem Medizinstudenten Charles Best experimentierte er im Sommer 1921 in Toronto erneut mit Hunden. Diesmal jedoch gelang es den beiden das Sekret, dass für die Zuckerverwertung im Körper sorgt, zu isolieren.
Von der Entdeckung zur Massenproduktion
Dazu schnitten sie die Bauchspeicheldrüse in kleine Stücke, ließen sie in einer Salzlösung gefrieren und zerteilten sie dann in einem Mörser. Die so hergestellte Flüssigkeit wurde durch Löschpapier gefiltert. Übrig blieb ein rosafarbenes Extrakt: das Insulin. Bei der Injektion dieser Lösung verschwanden tatsächlich die diabetischen Symptome bei den Versuchstieren.
Im Laufe der nächsten Monate wurden die Versuche weitergeführt, andere Wissenschaftler kamen hinzu, die Ergebnisse wurden verbessert und im Frühsommer 1922 begann man Insulin fabrikmäßig herzustellen, worüber Dr. Schott sagte: "Die Massenproduktion ging dann schon bald los, das hat nicht so lange gedauert wie beim Penicillin, von der Entdeckung zur Massenproduktion. In diesem Falle ging es recht rasch, also insofern ist Insulin ein Fall für eine große Entdeckung, die auch sehr schnell technisch für den breiten Massenbetrieb nutzbar gemacht werden konnte und auch wissenschaftlich gewürdigt wurde sehr rasch mit einem Nobelpreis."
Leukipp (griechisch Λεύκιππος Leúkippos; * im 5. Jahrhundert v. Chr. in Milet oder Abdera in Thrakien) war ein antiker griechischer Philosoph. Er wird zu den Vorsokratikern gezählt.
Leben und Lehre Leukipp gilt als Schüler des Parmenides[1] und zusammen mit seinem Schüler Demokrit als Begründer des Atomismus.
Nach atomistischer Auffassung und in Abweichung von den parmenidischen Lehren besteht die Welt aus leerem Raum und Materie. Dies ist denknotwendig, da sich die Materie ohne den leeren Raum niemals bewegen könnte. Durch ein Neuordnen der kleinsten Teilchen Atome oder "atomoi" (unteilbar das kleinste) entsteht Veränderung. Alles Stoffliche setzt sich somit aus unendlich vielen Bauteilen, den Atomen zusammen, durch deren Umordnungen Werden und Vergehen erklärt werden kann.
Das Kausalgesetz Leukipps lautet: „Kein Ding entsteht planlos, sondern aus Sinn und unter Notwendigkeit.“[2] Diese Lehre wurde von Demokrit weitergeführt und zum Materialismus ausgearbeitet. Allerdings ist heute nicht mehr nachvollziehbar, welchen Teil der Lehre Demokrit von seinem Lehrer übernommen hat, da nur Textfragmente erhalten sind.
Leukipp gilt als Verfasser von Das große Weltsystem und Über den Geist. Manche Forscher behaupten, dass Leukipp nie existiert habe, sondern Demokrit diesen Namen als Pseudonym benutzt habe. Dies entspricht jedoch nicht dem heutigen Forschungsstand
Melissos von Elea (auch Melissos von Samos; * um 490 v. Chr.; † 430 v. Chr.) war ein antiker griechischer Philosoph und Flottenbefehlshaber. Er lebte um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. und wird zu den Vorsokratikern gezählt.
Ursprünglich stammte er aus Samos. Er verbrachte aber den Großteil seines Lebens in Süditalien als Anhänger der eleatischen Schule. Um 441 v. Chr., als die Samier einen Aufstand gegen Athen unternahmen, soll er Kommandant der samischen Flotte gewesen sein und die Athener in einer Seeschlacht (oder mehreren) zurückgeschlagen haben. Allerdings unterlag er schließlich trotz dieser Erfolge seinem Gegner Perikles.
Seine Lehrer waren Parmenides von Elea und Zenon von Elea. Wie sie versuchte auch Melissos die Lehre zu begründen, dass es keine Veränderung - also weder Bewegung, noch Werden und Vergehen - in der Welt gebe. Aus diesem Grund gilt ihm das sinnliche Wahrnehmen, das Veränderungen vorspiegelt, als trügerischer Schein. Seine Werke Über das Seiende und Über die Natur sind nur fragmentarisch überliefert.
Metrodoros von Chios (altgriechisch: Μητρόδωρος ο Χίος; auch: Metras; ca. 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) war ein griechischer Philosoph der atomistischen Schule und Schüler des Demokrit .
Von seinem umfangreichen Werk sind nur Fragmente überliefert. Wegen des uns dank Cicero erhaltenen Anfangs seiner Schrift Peri physeos (Über die Natur), „niemand unter uns weiß etwas, nicht einmal eben das, ob wir wissen oder nicht wissen“, wird er gelegentlich als Wegbereiter der Pyrrhonischen Skepsis beschrieben. Seine Physik ist stark an Demokrit orientiert: er behauptet die Unbeweglichkeit des Kosmos als Ganzem, erkennt nur Atome und die Leere als Grundeinheiten der Materie an, postuliert die unendliche Anzahl der Atome in einem unendlich weiten Raum in unendlich vielen Welten. Daneben beschäftigte er sich als Historiker und Meteorologe. Besonders seine meteorologischen Schriften weichen von Demokrit ab: so widerspricht er der Ansicht, dass die Sterne optische Illusionen sind, die aus der Reflexion der Sonnenstrahlen in den Wolken entstehen.
Alkmaion (griechisch Ἀλκμαίων Alkmaíōn oder attisch Alkméōn, latinisiert Alcmaeo), auch Alkmaion von Kroton genannt, war ein antiker griechischer Naturphilosoph. Er lebte im späten 6. und frühen 5. Jahrhundert v. Chr. im griechisch besiedelten Süditalien und gehörte zu den Vorsokratikern, die mit unterschiedlichen Ansätzen ein ganzheitliches Naturverständnis anstrebten. Außerdem soll er auch als Arzt praktiziert haben. Jedenfalls setzte er sich im Rahmen seiner naturphilosophischen Tätigkeit mit medizinischen und biologischen Fragen auseinander. Ungeklärt ist sein Verhältnis zur Gemeinschaft der Pythagoreer, der er angeblich angehörte.
Alkmaion hob die Rolle des Gehirns als Wahrnehmungs- und Erkenntnisorgan hervor. Die Gesundheit deutete er als ausgewogenes Verhältnis zwischen gegensätzlichen Faktoren im Körper, Krankheiten führte er auf Störungen des Gleichgewichts zurück, die zu einem Übermaß führten. Im einseitigen Dominieren eines einzelnen Faktors sah er ein Übel. Bei der Erörterung der Verhältnisse im Körper bediente er sich einer aus dem politischen Diskurs stammenden und mit entsprechenden Wertungen verbundenen Terminologie. Diese war in Kreisen verbreitet, die politisch und sozial eine ausgleichende Haltung einnahmen und das Prinzip der Alleinherrschaft oder Tyrannis ablehnten.
Leben: Alkmaion stammte aus der Stadt Kroton, dem heutigen Crotone in Kalabrien. Dort hatte um 530 v. Chr. der Philosoph Pythagoras eine Schule und Gemeinschaft von Gleichgesinnten gegründet. Die Anhänger seiner Lehre, die Pythagoreer, übten zu Alkmaions Zeit im griechisch besiedelten Süditalien kulturell und politisch erheblichen Einfluss aus. Laut Angaben von Quellen aus der römischen Kaiserzeit gehörte Alkmaion zur Gemeinschaft der Pythagoreer. Der Doxograph Diogenes Laertios und der spätantike Philosoph Iamblichos bezeichnen ihn als Schüler des Pythagoras.[1] In der Metaphysik des Aristoteles steht, dass in Alkmaions Jugendzeit Pythagoras noch am Leben, aber schon betagt gewesen sei. Die Authentizität dieser Mitteilung ist zwar zweifelhaft, denn es besteht der Verdacht, es könne sich um eine Interpolation – eine nicht authentische Einfügung – im Text der Metaphysik handeln, doch gilt die chronologische Angabe als glaubwürdig.[2] Wenn die Information zutrifft, fällt Alkmaions Geburt ins dritte Viertel des 6. Jahrhunderts v. Chr., denn Pythagoras kam um 530 v. Chr. nach Kroton und lehrte dort rund zwei Jahrzehnte lang.
Dem Bericht des Aristoteles zufolge ist die Naturphilosophie Alkmaions derjenigen der Pythagoreer ähnlich, stimmt aber nicht in jeder Hinsicht mit ihr überein, da er sich nicht so präzis wie die Pythagoreer auf bestimmte Aussagen festlegte. Wer dabei wen beeinflusst hat, ist für Aristoteles unklar. Somit hält Aristoteles Alkmaion nicht für einen Pythagoreer.[3] Das Verhältnis Alkmaions zu den Pythagoreern hat auch die moderne Forschung nicht eindeutig klären können, doch ist zu erkennen, dass er ihnen jedenfalls philosophisch nahestand.[4]
Alkmaions Heimatstadt Kroton war zu seiner Zeit ein bedeutendes Zentrum der griechischen Medizin; dort lebte damals der berühmte Arzt Demokedes. Alkmaion selbst soll auch praktizierender Arzt gewesen sein, doch ist dies in der Forschung umstritten, denn es fehlen zuverlässige Informationen; erst der spätantike Gelehrte Calcidius nennt ihn ausdrücklich Arzt.[5] Calcidius schreibt in seinem Kommentar zu Platons Dialog Timaios, Alkmaion habe als Erster durch Sezieren die Verbindung des Auges mit dem Gehirn aufgezeigt. Dass er als Arzt eine Operation am Auge gewagt habe, ist dem Text des Calcidius jedoch nicht – wie in älterer Forschungsliteratur angenommen wurde – zu entnehmen. Ob Alkmaion tatsächlich sezierte und gegebenenfalls die Sektion am Menschen oder nur am Tier vornahm, ist in der Forschung umstritten.[6] Aristoteles überliefert die Behauptung Alkmaions, dass Ziegen durch die Ohren atmen; daraus haben Wissenschaftshistoriker gefolgert, dass er beim Sezieren die Eustachi-Röhre entdeckte und dadurch zu dem Fehlschluss verleitet wurde.[7]
Werke Alkmaion schrieb ein Buch über seine Naturphilosophie, dessen – möglicherweise nicht vom Autor stammender – Titel „Über die Natur“ (Peri phýseōs) oder nach anderer Überlieferung „Naturlehre“ (physikós lógos) lautete. Diese Schrift richtete er, wie Diogenes Laertios den Anfang zitierend berichtet, an Brotinos, Leon und Bathyllos.[8] Dies wird gewöhnlich als Widmung des Werks an diese drei Personen gedeutet; die Absicht des Verfassers kann aber auch eine an sie gerichtete Ermahnung oder Belehrung gewesen sein. Bei den drei Männern handelt es sich um Pythagoreer, die mit teils etwas abweichender Schreibung ihrer Namen auch in den Pythagoreerlisten des Iamblichos erscheinen.[9] Alkmaions Schrift ist verloren, doch lässt sich ihr Inhalt teilweise aus Erwähnungen und Zitaten in späterer Literatur erschließen.
Der Schriftsteller Favorinus, auf den sich Diogenes Laertios beruft, behauptet, Alkmaion sei als der erste Philosoph betrachtet worden, der eine derartige Schrift verfasste.[10] Diese Annahme ist aber irrig, denn die zeitliche Priorität kommt Anaximander zu.
Diogenes Laertios berichtet, Alkmaion habe vorwiegend über medizinische Themen geschrieben.
Lehre Aus den Quellen geht hervor, dass Alkmaion sich besonders für medizinische und biologische Fragen interessierte und dass in seiner Philosophie anthropologische Probleme im Vordergrund standen. Er befasste sich mit Physiologie (einschließlich Pflanzenphysiologie[12]) und Embryologie und nahm auch zu astronomischen Fragen Stellung.
Medizin
In der Medizin vertrat Alkmaion die Auffassung, Gesundheit sei auf „Isonomie“ zurückzuführen. Das Wort isonomía bedeutet wörtlich „Gleichberechtigung“. Damit meinte Alkmaion ein Gleichgewicht oder eine Ausgewogenheit der gegensätzlichen polaren Kräfte im menschlichen Körper. Krankheit war für ihn das Ergebnis der Alleinherrschaft (monarchía) eines von zwei Gegensatzpolen. So führte er ursprünglich politische Begriffe in die medizinische Terminologie ein. Er war der einzige antike Denker, der das Begriffspaar Isonomie/Alleinherrschaft in naturphilosophisch-medizinischem Zusammenhang verwendete. Unter Isonomie verstand man im politischen Diskurs Gleichberechtigung und Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. Es handelte sich um einen programmatischen Begriff aus dem Wortschatz der Gegner willkürlicher Herrschaft.
Als Beispiele von medizinisch relevanten Gegensatzpaaren nannte Alkmaion das Feuchte und das Trockene, das Kalte und das Warme, das Bittere und das Süße; als Krankheitsursache komme insbesondere übermäßige Hitze oder Kälte in Betracht. Ein Krankheitsausbruch erfolge entweder im Blut oder im Mark oder im Gehirn; als Anlass führte Alkmaion unter anderem ein Übermaß oder einen Mangel an Nahrung an.[13] Der Darstellung des Aristoteles zufolge nahm er an, dass eine Vielzahl von Gegensatzpaaren wie weiß und schwarz, gut und schlecht, groß und klein das menschliche Leben präge; im Gegensatz zu den Pythagoreern legte er sich aber nicht auf eine bestimmte Anzahl von genau benannten Gegensatzpaaren als Urprinzipien fest.[14]
Anthropologie und Erkenntnistheorie
Alkmaion legte Wert auf eine klare Trennung zwischen Denken und Wahrnehmen. Im Denken sah er die spezifische Besonderheit des Menschen, den er damit vom Tierreich scharf abgrenzte. In der Erkenntnistheorie lehrte er, eine unmittelbare Einsicht in die unsichtbaren und die vergänglichen Dinge sei den Göttern vorbehalten, während die Menschen darauf angewiesen seien, sich diskursiv durch Folgerungen aus Beobachtungen um Erkenntnis zu bemühen.
Seinen Nachruhm verdankt Alkmaion vor allem seiner Rolle als Hirnforscher; er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Hirnforschung.[15] Im Gehirn – nicht, wie andere Denker, im Herzen – sah er das zentrale Organ der Wahrnehmung und Erkenntnis. Diese wird nach seiner Lehre dadurch ermöglicht, dass das Gehirn durch Kanäle mit den Sinnesorganen in Verbindung steht. Er wies darauf hin, dass die Sinneswahrnehmung beeinträchtigt werde, wenn das Gehirn erschüttert werde und seine Lage verändere, denn dadurch würden die Kanäle in Mitleidenschaft gezogen. In Zusammenhang mit seiner Theorie, dass das Gehirn der Sitz aller Sinneseindrücke sei, wird in der Forschung vermutet, dass er die Sehnerven entdeckt habe.[16]
Alkmaion erläuterte sein Wahrnehmungskonzept hinsichtlich der einzelnen Sinne, überging dabei aber den Tastsinn. Den Vorgang des Sehens erklärte er mit der Annahme, dass das Auge selbst von lichthafter, nämlich feuriger Natur sei; dies sei daraus zu ersehen, dass es Funken sprühe, wenn es von einem Schlag getroffen werde. Das Riechen erfolge mit der Einatmung, indem der Atem bis zum Gehirn gezogen werde. Das Hören werde durch einen Hohlraum in den Ohren, der selbst töne, ermöglicht, so wie man auch durch einen Hohlraum spreche; die resonierende Luft gebe den Ton an das Gehirn weiter. Die Zunge löse die Geschmacksteilchen auf und leite sie dem Gehirn weiter.[17]
Seine Überzeugung von der zentralen Rolle des Gehirns veranlasste ihn zu der Hypothese, dass der männliche Samen aus diesem Organ entstehe.[18] Diese Ansicht wurde in der griechischen Naturwissenschaft später von der rivalisierenden Theorie verdrängt, welche die Herkunft des Samens aus allen Körperteilen annahm.
Alkmaion gehörte zu den Vertretern der Meinung, dass neben dem männlichen Samen auch ein weiblicher bei der Fortpflanzung eine Rolle spiele. Er behauptete, das Kind erhalte das Geschlecht desjenigen Elternteils, dessen Samen reichlicher vorhanden sei.[19] Eine andere seiner Hypothesen lautet, der Embryo ernähre sich mittels seines gesamten Körpers.
Als Ursache für die menschliche Sterblichkeit gab Alkmaion an, dass die Menschen nicht in der Lage seien, „den Anfang mit dem Ende zu verbinden“ (im Gegensatz zur endlosen Kreisbewegung der Himmelskörper). Die Seele hingegen ist nach seiner Überzeugung zu ewiger Bewegung fähig und daher unsterblich. Allerdings ist unklar, ob er damit die menschliche Seele oder eine Weltseele meinte.[20]
Das Einschlafen führte er darauf zurück, dass das Blut sich zurückziehe, und das Aufwachen auf eine Ausbreitung des Blutes; der Tod tritt nach seiner Lehre ein, wenn das Blut sich gänzlich zurückzieht.
Astronomie
In der Astronomie war Alkmaion der Ansicht, dass die Planeten sich von Westen nach Osten entgegengesetzt zur täglichen Drehung der Fixsterne bewegen. Wie zahlreiche andere antike Philosophen meinte auch er, die Gestirne seien von göttlichen Wesen beseelt. Er soll die Sonne für flach gehalten haben.[21] Rezeption
Platon nennt Alkmaion nirgends namentlich, ist aber offensichtlich von ihm beeinflusst. In seinen Dialogen Phaidros und Nomoi knüpft er mit seiner Beweisführung für die Unsterblichkeit der Seele an eine Überlegung Alkmaions an und arbeitet sie aus, indem er die Unsterblichkeit aus der Selbstbewegung der Seele ableitet. Im Dialog Phaidon nimmt er auf Alkmaions Auffassung von der Rolle des Gehirns Bezug.[22]
Diogenes Laertios zählt unter den Werken des Aristoteles eine Schrift mit dem Titel „Gegen die Lehren Alkmaions“ auf.[23]
Goethe spielt in dem Gedicht „Dauer im Wechsel“ auf das Alkmaion-Fragment über den Grund der menschlichen Sterblichkeit an: „Laß den Anfang mit dem Ende / Sich in Eins zusammenziehn!“
In der modernen Altertumswissenschaft wird Alkmaion als origineller, empirisch orientierter Denker gewürdigt. Hervorgehoben wird, dass er der Naturforschung der Vorsokratiker einen neuen, physiologischen Impuls gegeben habe und sich als Pionier mit Fragen der Lebensvorgänge und der Struktur des menschlichen Organismus befasst habe.[24] Zurückgewiesen werden aber aus der Sicht der neueren wissenschaftsgeschichtlichen Forschung enthusiastische Einschätzungen Alkmaions als Vater der Anatomie, der Physiologie, der Embryologie oder gar der Medizin schlechthin; es wird auf die ungünstige Quellenlage verwiesen, die derart weitreichende Behauptungen als zumindest voreilig erscheinen lässt.[25] Immerhin scheint Alkmaion der erste Denker gewesen zu sein, der zugleich Naturphilosoph und Mediziner war; daher nennt ihn Andreas Patzer den Begründer der philosophischen Medizin. Patzer konstatiert, die Rezeption der frühgriechischen Philosophie durch die Alte Medizin sei „ein geistesgeschichtliches Ereignis ersten Ranges“ gewesen.
Rezeption Platon nennt Alkmaion nirgends namentlich, ist aber offensichtlich von ihm beeinflusst. In seinen Dialogen Phaidros und Nomoi knüpft er mit seiner Beweisführung für die Unsterblichkeit der Seele an eine Überlegung Alkmaions an und arbeitet sie aus, indem er die Unsterblichkeit aus der Selbstbewegung der Seele ableitet. Im Dialog Phaidon nimmt er auf Alkmaions Auffassung von der Rolle des Gehirns Bezug.[22]
Diogenes Laertios zählt unter den Werken des Aristoteles eine Schrift mit dem Titel „Gegen die Lehren Alkmaions“ auf.[23]
Goethe spielt in dem Gedicht „Dauer im Wechsel“ auf das Alkmaion-Fragment über den Grund der menschlichen Sterblichkeit an: „Laß den Anfang mit dem Ende / Sich in Eins zusammenziehn!“
In der modernen Altertumswissenschaft wird Alkmaion als origineller, empirisch orientierter Denker gewürdigt. Hervorgehoben wird, dass er der Naturforschung der Vorsokratiker einen neuen, physiologischen Impuls gegeben habe und sich als Pionier mit Fragen der Lebensvorgänge und der Struktur des menschlichen Organismus befasst habe.[24] Zurückgewiesen werden aber aus der Sicht der neueren wissenschaftsgeschichtlichen Forschung enthusiastische Einschätzungen Alkmaions als Vater der Anatomie, der Physiologie, der Embryologie oder gar der Medizin schlechthin; es wird auf die ungünstige Quellenlage verwiesen, die derart weitreichende Behauptungen als zumindest voreilig erscheinen lässt.[25] Immerhin scheint Alkmaion der erste Denker gewesen zu sein, der zugleich Naturphilosoph und Mediziner war; daher nennt ihn Andreas Patzer den Begründer der philosophischen Medizin. Patzer konstatiert, die Rezeption der frühgriechischen Philosophie durch die Alte Medizin sei „ein geistesgeschichtliches Ereignis ersten Ranges“ gewesen.
Ainesidemos von Knossós (altgr. Αἰνησίδημος, Anfang 1. Jahrhundert v. Chr.) war ein griechischer Philosoph und gilt als Begründer des Neupyrrhonismus. Er wird auch oft unter der latinisierten Namensform Aenesidemus sowie als Änesidemos oder Änesidem genannt.
Ainesidemos war ursprünglich wohl ein Anhänger der akademischen Skepsis. In seinen nicht erhaltenen Pyrrhonischen Darlegungen griff er (laut Photios, Bibliotheca § 212) den akademischen Skeptizismus an: durch ihre Behauptung, dass sich nichts (sicher gerechtfertigt) wissen lasse, seien die Akademiker (negative) Dogmatiker. Demgegenüber versucht Ainesidemos einen radikalen Skeptizismus herzustellen, den er bei Pyrrhon von Elis und dessen Schüler Timon von Phleius zu finden meinte.
Ainesidemos wollte nicht einmal die negative Aussage zulassen, dass er nichts (sicher) wisse, und folgerte aus dem Umstand, dass jedem Grund zu einer Annahme ein gleichgewichtiger Grund zur gegenteiligen Annahme entgegenstehe, die Empfehlung, sich stets des Urteils zu enthalten (sog. ἐποχή, Epoché). Zur leichteren Auffindung solcher Gegengründe stellte Ainesidemos die später nach ihm benannten Zehn Tropen auf (Sextus Empiricus, Grundriss der pyrrhonischen Skepsis I 36-163). Im Leben müsse man statt ohnehin unsicheren Annahmen über die angebliche Natur der Dinge vielmehr den Erscheinungen (φαινόμενα, phainómena) folgen.
Damit führte Ainesidemos Einflüsse aus den beiden antiken Strömungen des Skeptizismus – Pyrrhonische Skepsis und akademische Skepsis – zusammen. Er begründete so den Neupyrrhonismus, den er allerdings nicht als eigene neue Lehre vertrat, sondern Pyrrhon zuschrieb – daher die Bezeichnung (Neu-)Pyrrhonismus. Dieser, wie er uns in den Schriften des Sextus Empiricus systematisch geordnet vorliegt, geht damit weitgehend auf Ainesidemos zurück.